Brainstorming

Kurzbeschreibung

Beim (klassischen) Brainstorming versammeln sich 5-12 Personen für eine halbe Stunde oder länger in einem Raum mit dem einen Ziel, sich möglichst viele neue Ideen zur Lösung eines bestimmten Problems einfallen zu lassen. Man unterscheidet beim Brainstorming zwei Phasen: Die kreative Phase der Ideenfindung und die anschliessende analytische Bearbeitungsphase. Voraussetzung für eine erfolgreiche Sitzung ist die möglichst klare Aufgabenstellung und die strikte Einhaltung der vier Grundregeln des Brainstormings:

  • Jede Kritik oder Wertung der geäusserten Ideen findet erst in der Phase nach dem Brainstorming statt. So wird während der Ideenproduktion der Kreativitätsfluss nicht unterbrochen, die so genannten „Killerphrasen“ kommen nicht zum Einsatz und langatmige Diskussionen unterbleiben.
  • Die Ideen anderer Teilnehmer können und sollen aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Das Anknüpfen an positive Aspekte kann durch das Hinzufügen eigener Ideen die Qualität bereits vorgetragener Vorschläge weiter verbessern.
  • Jeder Teilnehmer kann und soll seiner Phantasie freien Lauf lassen. Kein spekulativer und nicht ausgereifter Gedanke wird kritisch zurückgewiesen, jede Anregung ist willkommen.
  • Ziel ist es, möglichst viele Ideen innerhalb eines kurzen Zeitraums zu produzieren. Aufgrund der kurzen und prägnanten Teilnehmerbeiträge werden mehr ungewöhnliche Aspekte hervorgebracht und der Gedankenfluss gewinnt an Spontanität.

     

  

Ablauf

  

A

Vorbereitung

Zusammenstellung des geeigneten Teams: Ca. 6 bis 12 Teilnehmer, von denen bekannt ist, dass sie eine gewisse Kreativität besitzen und keine Eigenbrötler, Pedanten oder Egoisten sind. Ebenso sollten die Teilnehmer etwa den gleichen Rang innehaben und etwa die Hälfte sollte mit einigen Fachkenntnissen aus den verschiedensten Fachabteilungen ausgestattet sein.

Teilnehmer an einen ruhigen Ort einladen. Die Zeit soll vorher mit den Teilnehmern abgesprochen werden. Das Sitzungslokal sollte eine gelockerte Atmosphäre erlauben. Störquellen sind zu vermeiden. Die Einladung sollte etwa 4 bis 5 Tage vorher verschickt werden. Zusammen mit der Einladung wird auch das Thema schriftlich bekannt gegeben, damit die Teilnehmer sich mit dem Problem bekanntmachen können. Hilfsmittel wie Flipcharts und Filzstifte (ev. Tonbandgeräte) bereitstellen. Ebenso sind 1 bis 2 Personen zum Aufschreiben der Ideen zu organisieren.

B

Durchführung

Der Teamleiter, der auch die Vor- und Nachbearbeitungsarbeiten durchführt, erklärt nochmals die Regeln des Brainstormings und die Aufgabenstellung. Er wacht darüber, dass alle Ideen (ohne Herkunftsbezeichnung) aufgeschrieben werden und dass bei stockendem Ideenfluss die Teilnehmer reaktiviert werden.

Alle Ideen werden während der Sitzung spontan geäussert; niemand muss erst zum Sprechen aufgefordert werden. Eine bestimmte Reihenfolge der Teammitglieder ist dabei nicht berück-sichtigt. Bei ungeübten Teams kann der Teamleiter vor der Sitzung mit einem Teilnehmer ab-machen, dass dieser „spontan“ erste Ideen äussert.

Teilnehmer, die Ideen kritisieren, werden vom Teamleiter auf die Regeln aufmerksam gemacht und aufgefordert, diese Kritik in Form einer neuen Idee zu formulieren. Stockt der Ideenfluss, so kann der Teamleiter eigene Ideen äussern oder durch Repetition der bisherigen Ideen ver-suchen, die Teilnehmer zu reaktivieren.

Die Sitzung wird nach dem zweiten Ideeneinbruch abgebrochen. Normalerweise sollte die Sitzung ca. 30 Minuten bis höchstens eine Stunde dauern.

Die Teilnehmer werden am Schluss der Sitzung aufgefordert, allfällige später einfallende Ideen dem Teamleiter sofort zu melden.

C

Nachbearbeitung

Es wird ein Protokoll der Sitzung mit sämtlichen Ideen erstellt und sofort an alle Teilnehmer verteilt. Auf diesem Protokoll können weitere Ideen der Teilnehmer notiert werden. Ev. ruft der Teamleiter die Sitzungsteilnehmer später an und fragt nach allfälligen weiteren Ideen. Etwa 3 bis 5 Tage nach der Brainstormingsitzung wird mit dem gleichen Team eine Bewertungssitzung durchgeführt, bei der nun alle Ideen auf ihre praktische Brauchbarkeit untersucht werden. Die Auslese und Gruppierung sollte nach folgenden Gesichtspunkten vorgenommen werden:

  • 1. Die Auswahl der Ideen, die sich sofort praktisch verwenden lassen
  • 2. Die Auswahl der Ideen, die Erprobung und Versuche bedürfen, von denen man aber glaubt, dass sie sich verwirklichen lassen
  • 3. Die Auswahl der Ideen, von denen man erwartet, dass sie mit Modifikationen und nach genauer Erprobung brauchbar sind.
  • 4. Die Auswahl von Funktionsgebieten, neuen Betrachtungsweisen des eigentlichen Problems und zusätzlicher Erwägungen, die auf eine Lösung des Problems hinweisen. Dies sind in der Tat noch keine Lösungsideen, zeigen aber neue Wege dazu auf
  • 5. Die Auswahl von Ideen, die in sich selbst nicht richtig sind, welche aber in ihrer Art eine Verwandtschaft zu einem Lösungsprinzip für das Problem aufzeigen

 

Anwendungsbereich

Der Anwendungsbereich liegt beim Schritt der Vorbereitung zum Offenlegen der persönlichen Probleme, Spannungen und Befürchtungen sowie zum Offenlegen der Erwartungen an das gemeinsam zu erarbeitende Ergebnis. Brainstorming kann bei der Situationsanalyse zum Identifizieren möglicher zukünftiger Entwicklungen und Gefahren angewendet werden, bei der Optimierung zur Gewinnung eines Zielkataloges und zur Gewinnung von Lösungsideen sowie bei der Ausarbeitung zur Suche nach Lösungen für Detailprobleme.

Stärken

  • Sehr breite Anwendbarkeit
  • Kleiner Zeitbedarf
  • Guter Einbezug einer Gruppe
  • Relativ einfache Durchführbarkeit
  • Rasche Einsetzbarkeit
  • Beitrag zur emotionalen Befreiung in der Gruppe
  • Sammlung von vielen Informationen

Schwächen

  • Oft völlig unzureichende Durchführung
  • Zum Teil mangelnde kritische Analyse des tatsächlichen Wertes der gesammelten Aspekte und Ideen
  • Begrenzte Brauchbarkeit der Ideen
  • Begrenzte Anwendbarkeit für komplexere Fragestellungen
  • Leichte Störbarkeit des Prozesses.
  • Braucht „sattelfesten“ Moderator
  • Gefahr, dass die Spielregeln nicht eingehalten werden (Kritik, Gelächter)
  • Unsystematische Ideenfindung
  • Auswertung relativ aufwendig