Schätzungen

Kurzbeschreibung

Eine Schätzung ist formal eine einfache Technik der Erhebung. Durch möglichst leicht greifbare Daten von Vorperioden oder durch Vergleich mit verwandten Sachverhalten können Informationen zu Zeit und Mengen gewonnen werden, die auch der Gegenwart und der Zukunft zugrunde gelegt werden. Schätzungen lassen sich leicht durchführen und bringen wenig Aufwand mit sich. Dieser Vorteil wird meist mit einer gewissen Ungenauigkeit der Aussagen erkauft. Schätzungen sind darum vor allem für Grobuntersuchungen speziell in Vorstudien geeignet. Die Schätzung stützt sich immer auf konkrete Zahlenunterlagen; sie muss also fundiert sein.

Erhebungsmethoden

  • Allgemeine Schätzung
  • Interpolation (Schätzung fehlender Reihenglieder)
    Oft fehlen in einer Zahlenreihe auch Zwischengrössen, die geschätzt werden müssen. Man schliesst solche Lücken durch die INTERPOLATION (Einschaltung). Dabei kann man so vorgehen, dass die beiden Zahlen vor und nach der Lücke addiert und durch zwei dividiert werden. Natürlich ist das ein grobes Verfahren, das sich dadurch verbessern lässt, dass zusätzlich eine Entwicklung der ganzen Reihe in Betracht gezogen wird, z.B. ob sich diese verlangsamt oder beschleunigt. Man bedient sich oft der Methode der Zinsenzinsrechnung.
  • Extrapolation (Verlängerung der Reihe über beobachtete Einheiten hinaus)
    Die Verlängerung der Kurve über die auf Beobachtung beruhende Endwerte hinaus bezeichnet man als EXTRAPOLATION. Der bisherige Verlauf der Kurve wird hierbei als richtunggebend angenommen. Die Extrapolation beruht immer mehr oder weniger auf Vermutungen. Extrapolieren darf man nur dann, wenn sich der der Zeitreihe zugrunde liegende Sachverhalt kontinuierlich und störungsfrei so entwickelt wie in der Vergangenheit und Gegenwart.
    In der betriebswirtschaftlichen Statistik lassen sich wegen der Kleinheit der statistischen Massen, wo Zufälligkeiten einen zu grossen Einfluss ausüben, Interpolation und Extrapolation nur selten anwenden. Eine wesentlich grössere Bedeutung haben diese Methoden z.B. in der Bevölkerungsstatistik.

Anwendungsbereich

In gewissen Fällen muss der „Betriebsstatistiker“ zur Schätzung, d.h. zur mutmasslichen Aussage greifen, nämlich immer dann, wenn aus irgendwelchen Gründen keine zuverlässigen statistischen Er-hebungen vorgenommen werden können oder wenn die Einheiten, aus denen die Massen bestehen, nicht konkret zählbar sind, wie z.B. bei der Untersuchung von Lieferzeiten und ähnlichem.

Stärken

  • Einfache Durchführung, wird nicht selten dauernd unbewusst gemacht
  • Einfache Gewinnung von Zahlenmaterial
  • Wenig Aufwand bezüglich der Umsetzung. Wenn eine Zahl geschätzt wird, muss dies immer hingeschrieben werden, ansonsten wird diese Zahl als absolut wahrgenommen

Schwächen

Allgemeine Schätzung:

  • Ergebnisse meist subjektiv – Fehlrisiken unbeschränkt
  • Schätzung muss sich auf ausreichende Zahlenunterlagen stützen können

Interpolation (Schätzung fehlender Reihenglieder):

  • Berechnung je nach Reihenentwicklung schwierig (linear oder geometrisch)

Extrapolation (Verlängerung der Reihe über beobachtete Einheiten hinaus)

  • Ergebnis meist unsicher (blosse Vermutung)
  • Berechnung je nach Entwicklung schwierig