Verbaler Vergleich

Kurzbeschreibung

Die Methode soll ausschliesslich durch Argumentation bewerten, nicht durch arithmetische oder logische Aggregation. Daher ist kein ausformuliertes Zielsystem erforderlich. Es gibt allerdings keine Definition für die Methode. Stattdessen wird eine grosse Bandbreite von Ansätzen, die nicht oder nur schwach formalisiert sind, als verbal-argumentative Bewertung bezeichnet. Die verbal-argumentative Bewertung erlaubt eine einfache und schnelle Erfassung der spezifischen Bedingungen und ist damit zeit- und kostengünstig. Die Ergebnisse sind meist allgemeinverständlich. Sie werden meist weder kardinal (Punkte, Zielerreichungsgrade) oder ordinal (Noten, Wertstufen, Klassen) skaliert, sondern rein verbal als Übersicht in Tabellenform dargestellt. Es folgt in der Regel eine verbale Zusammenfassung der wesentlichen Auswirkungen.

Rangordnungen

Rangordnungen können gebildet werden, indem festgestellt wird, welche zur Diskussion stehende Variante welches Kriterium am besten, am zweitbesten usw. erfüllt. Diese Vorgehensweise kommt der Nutzwertanalyse sehr nahe, besonders wenn Kriterien gewichtet werden. Gewichtung kann jedoch nicht nur mit Faktoren, sondern auch argumentativ erfolgen (z. B. über Adjektive wie unverzichtbar, wesentlich, wichtig, nachrangig).

Rangordnungen können auch gebildet werden, indem Standards herangezogen werden und dann festgestellt wird, welche Alternative die wenigsten Standards nicht erfüllt. Hierbei können sowohl rechtlich vermittelte als auch unverbindliche private Standards herangezogen werden. Jedoch ist bei rechtlichen Standards Vorsicht geboten, denn weil die Verwaltung an Recht und Ordnung gebunden ist, dürfen die meisten rechtlichen Standards (Grenzwerte) nicht verletzt werden. Insofern ist jede Alternative, die Grenzwerte verletzt, zu verwerfen.

Schrittweise Rückstellung

Ziel der schrittweisen Rückstellung ist die Eliminierung von Handlungsalternativen. Dabei werden zunächst diejenigen Alternativen eliminiert, bei denen pessimale Ausprägungen von Kriterien gehäuft auftreten oder rechtliche Standards oder Tabu-Kriterien nicht erfüllt werden. Tabu-Kriterien sind solche, die auf jeden Fall erfüllt sein müssen. Es können auch Kriterien eliminiert werden, nämlich solche, bei denen sich alle Alternativen kaum unterscheiden.

Bleiben dann weitere Alternativen übrig, kann durch Verschärfung der Kriterien, also Elimination solcher Alternativen, bei denen relativ schlechte Ausprägungen gehäuft vorkommen, schrittweise weiter eingegrenzt werden. Dabei liegt die Strategie der Minimierung der Nachteile zugrunde. Es ist aber auch strategisch möglich, die Vorteile zu maximieren, d. h. solche Alternativen heranzuziehen, bei denen relativ gute bis optimale Ausprägungen von Kriterien gehäuft vorkommen. Die Wahl der Strategie spiegelt die Risikoeinstellung des Entscheidungsträgers wider (vgl. Ortgiese 1997, 80 ff., 92).

Die Methode wird Rückstellung genannt, weil zunächst eliminierte Alternativen oder Kriterien je nach Untersuchungsverlauf wieder in die Betrachtung einbezogen werden können, also nur vorläufig ausgeschieden (zurückgestellt) sind. Sie eignet sich besonders, wenn eine grössere Anzahl (mehr als 5) von Alternativen und Kriterien zu bewerten ist, sodass Paarvergleiche ausscheiden.

Paarvergleich

Mit Paarvergleichen kann festgestellt werden, welche von zwei oder mehreren Alternativen die günstigste in Bezug auf mehrere Kriterien ist oder ob es gleichwertige Alternativen gibt.

Dabei wird bezüglich jedes Kriteriums paarweise verglichen, d. h. schneidet bezüglich des Kriteriums 1 Alternative A oder B besser ab oder sind sie gleich? Dabei besteht das Dilemma, dass relative Vorteile einer Alternative regelmäßig mit relativen Nachteilen an anderer Stelle gekoppelt sind. Deshalb muss jede Alternative mit jeder für jedes Kriterium verglichen werden. Die Zahl der durchzuführenden Vergleiche steigt mithin exponentiell mit der Zahl der Kriterien (m) oder Alternativen (n), denn sie beträgt m * (n * (n – 1)/2) (Ortgiese 1997, 82 ff.).

Deshalb sind die Methoden bis maximal 5 Kriterien und Alternativen einsetzbar. Deren Zahl kann jedoch vorher durch Rückstellung (s .o.) reduziert werden. Die beiden Methoden sind kombinierbar.

Anwendungsbereich

Man kann die verbal-argumentative Bewertung trotz ihrer Mängel nicht zu den Akten legen, denn es gibt sinnvolle Anwendungsbereiche.

  • Sie ist eine wichtige Ergänzung zu Risikoanalyse und Bilanzierung
  • Bei einfach gelagerten Fällen, wie z. B. Bebauungsplänen für Ein- und Mehrfamilienhäuser, verbietet das Aufwands-Ertrags-Verhältnis den Einsatz komplizierter formalisierter Methoden; dann ist eine kurze verbale Argumentation oft auch sachbezogen empfehlenswert und transparent, weil sie schnell die weniger relevanten Auswirkungen deutlich machen kann

Stärken

  • Es ist leicht  möglich, „wertbestimmende“, also entscheidungserhebliche, Kriterien herauszustellen (wird meist eher bei der Relevanzbaummethode angetroffen)
  • Die verbale Aggregation kann über direkte Vergleiche und Ausschlusskriterien erfolgen
  • Die Technik erlaubt eine einfache und schnelle Erfassung der spezifischen Bedingungen

Schwächen

  • Kann sehr stark subjektiv sein
  • Anzahl negative sowie positive Punkte sagen nichts über die effektive Qualifikation aus
  • Welche Variante gewinnt, hängt zum Beispiel sehr stark vom Beurteilungsteam ab