Delphi-Verfahren

Kurzbeschreibung

Das Delphi-Verfahren ist ein Informationsgewinnungs-Verfahren durch strukturierte Mehrfachbefragung. Es beinhaltet eine streng systematische Befragung von mindestens zwei, möglichst aber mehreren, fachlich kompetenten Personen. Die Experten sollen Voraussagen über den Zeitbedarf der einzelnen Aktivitäten machen. Es wird unterschieden zwischen:

  • Standard-Delphi-Verfahren und
  • Breitband-Delphi-Verfahren

Der wesentliche Unterschied besteht in der Bekanntgabe der Schätzresultate. Die Befragung im Standard-Delphi-Verfahren erfolgt anonym. Beim Breitband-Delphi-Verfahren werden die Schätzergebnisse gegenseitig bekannt gegeben (Rückkoppelung), damit die Experten die Resultate miteinander besprechen und nötigenfalls korrigieren können. Ideale Voraussetzung ist es, wenn man die einzelnen zu schätzenden Tasks kleiner 20 Stunden sind.

Ablauf des Standard-Delphi-Verfahren
a) Der Projektleiter schildert jedem Experten persönlich das Projekt- vorhaben und übergibt ihm ein Formular, auf dem die einzelnen Aufgabenpakete strukturiert aufgeführt sind.
b) Jeder Experte füllt das Formular aus, ohne dabei mit einem anderen Experten Kontakt aufzunehmen. Fragen oder Probleme können hingegen jederzeit mit dem Projektleiter besprochen werden
c) Der Projektleiter sammelt die Formulare der Experten ein und analysiert die Angaben. Sollten die Schätzwerte der gleichen Aufgabenpakete stark voneinander abweichen, erfasst er diese mit einem entsprechenden Kommentar auf einem neuen Formular.
d) Das neue Formular wird erneut an die Experten verteilt. Sie überarbeiten selbständig ihre Ergebnisse.
e) Die Schritte 2 bis 4 werden solange wiederholt, bis die gewünschte Annäherung der verschiedenen Ergebnisse erreicht ist oder bis der Projektleiter die Ergebnisse akzeptiert.
f) Der Durchschnittswert der letzten Überarbeitung der Ergebnisse aller Aufgabenpakete stellt das endgültige Schätzergebnis dar.
Ablauf des Breitband-Delphi-Verfahren
a) Der Projektleiter schildert jedem Experten persönlich das Projekt- vorhaben und übergibt ihm ein Formular, auf dem die einzelnen Aufgabenpakete strukturiert aufgeführt sind.
b) Der Projektleiter beruft eine Sitzung ein, an der alle Experten teilnehmen. Unter der Moderation des Projektleiters diskutieren die Teilnehmer über die zu erstellende Schätzung.
c) Jeder einzelne Experte füllt das Formular aus, ohne mit einem anderen Experten zu diskutieren. Der Experte darf während dieser Phase jederzeit mit dem Projektleiter Kontakt aufnehmen, um gewisse Punkte zu klären.
d) Der Projektleiter sammelt die Formulare ein und analysiert die Angaben. Wenn die Schätzwerte der gleichen Aufgabenpakete stark voneinander abweichen, erfasst er diese ohne Kommentar auf einem neuen Formular.
e) Der Projektleiter beruft wiederum eine Sitzung ein, in der die Teilnehmer über die zurückerhaltenen Formulare diskutieren.
f) Die Experten überarbeiten ihre eigenen Ergebnisse selbständig und übergeben diese dem Projektleiter.
g) Die Schritte 2 bis 6 werden solange wiederholt, bis die gewünschte Annäherung der verschiedenen Ergebnisse erreicht ist oder bis der Projektleiter die Ergebnisse akzeptiert
h) Der Durchschnittswert der letzten Überarbeitung der Ergebnisse aller Aufgabenpakete stellt das endgültige Schätzergebnis dar.

 

In der Praxis kann diese Methode eine Gefahr mit sich bringen. Über¬schreiten die Projektkosten am Ende die Schätzung, neigt der eine oder andere Projektleiter dazu, die Schuld den Experten zuzuschieben. Dies ist jedoch grundsätzlich nicht richtig, da der Projektleiter ent¬scheidet, wann er die geschätzten Werte akzeptieren will. Die Experten leiten ihre Schätzwerte meistens aus vergangenen Ent¬wicklungen und den daraus resultierenden Erfahrungen ab. Aus diesem Grund wird das Delphi-Verfahren zu den Vergleichsverfahren gezählt.

Anwendungsbereich

Die Delphi-Methode eignet sich für das konzentrierte Arbeiten an komplexen Fragestellungen bzw. Fragen zukünftiger Entwicklungen. Ein typischer Anwendungsbereich der Delphi-Methode ist daher die Bestimmung von Entwicklungsprognosen. In diesem Zusammenhang ist die Delphi-Methode der Trendforschung zuzuordnen. Auch zur Ideengenerierung oder Ideenbewertung durch Experten ist diese Methode geeignet. Der Einsatz der Delphi-Methode konzentriert sich primär auf die Situationsananlyse (insbesondere für das fundierte Ausarbeiten von Zukunftsszenarios) und auf die Optimierung (insbesondere für das fundierte Konkretisieren von Lösungs-Varianten).

Stärken

  • Durch die Zusammenfassung von Expertenwissen kann eine Gruppenmeinung ermittelt werden
  • Da die Teilnehmer anonym sind, können nachteilige Einflüsse, wie sie bei Gruppendiskussionen auftreten können, vermieden werden
  • Es besteht genügend Zeit zum Nachdenken
  • Aufgrund der Weitergabe der aggregierten Ergebnisse an die Teilnehmer und das mehrfache Durchlaufen der Beurteilung ist die Berücksichtigung und Reflexion fremder Einschätzungen gegeben
  • Es kann eine hohe Qualität der Ideen im Sinne durchdachter Vorschläge erreicht werden
  • Der Veranstalter kann durch eine Auswahl an Ideen und Meinungen nach der ersten Runde steuernd eingreifen
  • Der Kreis der Beteiligten kann frei bestimmt werden

Schwächen

  • Durch die wiederholte Befragung der Teilnehmer ist die Delphi-Methode sehr zeitaufwendig
  • Die Meinung der Experten könnte sich der vorherrschenden Meinung anpassen, obwohl diese nicht mit dem „wahren“ Wert übereinstimmen muss
  • Die emotionalisierenden zwischenmenschlichen Beziehungen fehlen, was speziell die Kreativität beeinträchtigen kann
  • Es entstehen kaum befreiende Wirkungen in Richtung besonders neuer und origineller Ideen